Liebes Tagebuch ... Januar 2009

Donnerstag 8.1.09

Ich bin wieder gut angekommen in Madrid und wie immer gut beschäftigt.
Die deutsche Bürokratie hat bewiesen, dass sie beinahe effizient ist. Statt den versprochenen 3 Wochen dauerte es 3 Wochen und einen Tag - was leider in meinem Fall einen Tag zu lang ist...

Freitag 9.1.09

Es schneit!! Wirklich!! So ein Pappschnee und man ist sich nicht so ganz sicher ob es zwischendrin nicht doch regnen will, aber die Straßen sind weiß. Das versprochene Verkehrschaos lässt aber noch auf sich warten, ich hatte keine Probleme an die Uni zu kommen. Ich mach noch Bilder.
Hier sind zwei Bilder aus meinem Garten...
 

Montag 12.1.09

Ich muss eine bescheuerte Práctica machen und je länger ich dafür Zeit aufwende, um so verschwendeter kommt sie mir vor.

Mittwoch 13.1.09

Mein Prof hat vom Rektorat mitgeteilt bekommen wieviel Geld er für das Jahr 2009 zur Verfügung hat.
Auf dem Zettel steht eine Zahl X und darunter was von dem Geld alles bezahlt werden muss: Doktoranden (0.75*X), Hiwis (0.18*X), Papier, Hardware, ...
Wir haben gelacht und freuen uns, dass wir im Jahr 2009 für einen Monat einen Doktoranden einstellen könnten und noch Geld für Druckerpapier und Toner übrig hätten.

Donnerstag 15.1.09

Viel zu viel zu tun. Nach viel gutem Zureden und nachdem ich Stunden mit unproduktiven Dingen zugebracht habe, beschliesse ich mir einfach keinen Stress zu machen und wenn die Prácticas nicht fertig werden, dann werden sie halt nicht fertig. Früher als die Spanier fang ich allemal an...

Freitag 16.1.09

Wieder ein Glanzstück spanischer Verwaltung. Ich will ja meine Studienarbeit im Februar präsentieren. Normalerweise müsste ich die im Juni präsentieren, weil das laut Studienplan eine "Vorlesung" von einem Jahr ist. Ich habe schon im Oktober/November gefragt, ob ich irgendwas spezielles tun müsste um das schon im Februar präsentieren zu können. Es hieß nein.
Gestern kam dann ein anderer aus dem Labor, der im Februar präsentieren will (weil er 2 1/2 Jahre gebraucht hat statt 1 Jahr) und meinte "Uff, ich hab es heute grad noch geschafft am letzten Tag anzumelden, dass ich im Februar präsentieren kann!". Der Prof lacht, dreht sich zu mir um und meint "So ein Chaot! Du hast das ja schon lange gemacht, oder?". Ich sage, dass ich von nichts wusste und sie meinen ich solle morgen (also heute) hingehen und das tun, ein Tag zu spät ginge vielleicht noch.
Als ich dann heute beim Prüfungsamt war, meinten sie, das geht überhauptnicht, weil man Prüfungen nicht vorverlegen kann, weil "Sie haben ja noch gar nicht die ganze Vorlesung gehört". Für eine Ausnahme braucht man einen vom Dekan unterschriebenen Zettel.
Also gehe ich zum Dekan. Der arbeitet Freitags nicht. Ich werde zum Koordinator der "Vorlesung" geschickt.
Der sagt, dass das grundsätzlich nicht möglich ist, sie aber am Mittwoch darüber beraten. Wir sind 4 Erasmus-Studenten mit dem gleichen Problem. Zwei davon verlassen Spanien im März.
Es lebe die Verwaltung!

Sonntag 18.1.09

Linsen mit Spätzle wurden erfolgreich in einschlägigen Madrider Kreisen eingeführt. Das nächste Mal werden auch die Spätzle selbst produziert!

Montag 19.1.09

Wir sitzen an unserer tollen Práctica für Data Warehousing. Es steht ein Entwurf für die Abgabe, der unter anderem folgenden Satz enthält:
"El resultado final es la suma de nuestro trabajo en equipo. Trabajar en equipo es ventajoso ya que distintos puntos de vista complementan y mejoran el resultado. No obstante, nos hemos encontrado con complicaciones como la incompatibilidad horaria y geográfica, y las distintas formas de trabajar de los integrantes del equipo."
Deutsch: "Dieses Endresultat ist die Summe unserer Arbeit im Team. Teamarbeit ist vorteilhaft, da sich unterschiedliche Blickwinkel ergänzen und das Ergebnis verbessern. Wir haben allerdings Schwierigkeiten gegenübergestanden wie der zeitlichen und räumlichen Inkompatibilität und den unterschiedlichen Arbeitsweisen der Teammitglieder."
Was zwischen den Zeilen zu lesen ist:
Wir sind eine Gruppe von 5 Personen

Oktober/November: Wir müssen eine Präsentation halten am Dienstag. Jeder bereitet seinen Teil vor, am Sonntag war ausgemacht, dass alle das Zeug an mich schicken und ich es in Folien verwandle und rumschicke zur Korrektur. Am Montag Abend bekomme ich die Dinge.
Dezember: Wir treffen uns um das Modell des Datawarehouse zu erstellen. Wir wollten uns vorbereitet treffen, das heißt im Fall der Spanier, dass sie die pdf Datei mit der Aufgabenbeschreibung runtergeladen haben. Trotzdem vereinbaren wir im Laufe von 2 je 2stündigen Treffen ein recht gutes Modell. L. will es digitalisieren.
Januar: L. hat den Zettel mit dem Modell verloren.
6. Januar: Ich versuche so gut wie möglich aus meinen Schmierzetteln unser Modell zu rekonstruieren und schicke es an alle.
13. Januar: Den Spaniern fällt auf, dass der Abgabetermin nur noch eine Woche entfernt ist. Wir vereinbaren, dass J. das Datenbank-Startup-Script macht, G. und ich das ETL und L. mit T. (falls er noch lebt, keiner hat seit Mitte Dezember von ihm gehört) den OLAP-Teil.
14. Januar: J. schickt das Script (wow!), G. und ich fangen an mit dem ETL.
16. Januar: J. schickt eine veränderte Version des Scripts, ich passe meine Dinge an, G. nicht. Ich schicke G. alle meine Dateien, dass wir mit dem als Basis weiterarbeiten.
17. Januar: G. schickt mir, was er den Tag über gemacht hat. Er hat nicht meine Dateien als Basis genommen, dafür aber die Definition der Tabellen wieder geändert. Ich weigere mich damit zu arbeiten.
18. Januar: G. und ich diskutieren die noch offenen Probleme und er implementiert sie. Unser Teil ist fertig. L. schickt eine Vorversion der "Memoria", die wir abgeben müssen (Bericht? Beschreibung unserer Arbeit?). Sie hat das Modell verändert und leider enthält es nun einige Dinge, die unter die NEVER-EVER-DO-THIS im Datawarehouse Design fallen. Ich weise per Mail darauf hin, dass das nicht das ist, was wir beschlossen hatten und dass es Fehler hat.
19. Januar: L. antwortet, dass sie und J. das Modell geändert hatten, weil sie meinen es sei so "kompletter". Sie geht nicht auf meine Kritik ein (abgesehen davon, dass man in einer Gruppe nicht einfach so was ändern kann, was man beschlossen hat!). G. ist meiner Meinung, dass es Fehler enthält.
20. Januar: Abgabe. Man darf gespannt sein...

Dienstag 20.1.09

Wir haben nicht abgegeben.

Mittwoch 21.1.09

Wir haben abgegeben. Jetzt mal sehen was die Note wird.
Und Neues von der Studienarbeitsfront: Sie haben uns verboten im Februar die Studienarbeit zu präsentieren. Es geht nur im Juni. Außer mir betrifft das noch einen Mexikaner bei meinem Prof. Für ihn ist das ein kleines Problem, denn er geht im März wieder zurück nach Mexiko. Aber das ginge dann per Videokonferenz. Nur uns die Noten aufzuheben bis die Verwaltung sie im Juni eintragen kann, das wäre zu viel Aufwand. Aha.

Donnerstag 22.1.09

Ich hab eine tolle Idee für meine dritte Práctica!! Man soll einen Vektor sortieren indem man verschiedene Prozesse hat, die sich jeweils um einen Teil von Min bis Max kümmern und den sortieren sobald er mal nicht sortiert ist. Das ginge ganz toll mit Familien von Entries, nur leider kann man da nur einen Index-Parameter haben... also fällt uns spontan das Cantorsche Diagonalisierungsverfahren ein, logischerweise. Wie bin ich darauf gekommen? Das war Teil von irgendeinem Beweis in Theorie im 3. Semester... wozu Theorie doch nicht alles gut sein kann.

Samstag 24.1.09

Unser kulinarisches Treffen hat diesmal Crepes zu bieten. Mjam.

Montag 26.1.09

Ich versuche meinem iPod hebräisch beizubringen. Bisher mit wenig Erfolg.

Dienstag 27.1.09

Ich kann einfach nicht um 7 aufstehen und in der letzten Vorlesung Data Warehousing wird schon nicht die Anwesenheitsliste rumgehen.
Leider doch und leider war es nicht die letzte Vorlesung. Grrr, dieser Kindergarten mit Anwesenheitspfllicht.
Am Abend hab ich dann noch einen Kurs über RDF gehabt von einem nuschelnden Chilenen. Darauf hat mich meine ehemalige Mitbewohnerin doch nicht vorbereitet.
In dem Kurs ist auch ein Marrokkaner, der genau ein Wort Deutsch kann: Hitzefrei. Sehr sinnvoll!

Mittwoch 28.1.09

Frei! Es ist San Irgendwas, der Schutzpatron der Studenten.
Daher lerne ich daheim... und schlafe aus!

Donnerstag 29.1.09

Wir hatten beim Mittagessen eine Unterhaltung über Religion: gibt es sowas wie den Himmel, sind Gesetze zum Umgang miteinander Teil von Religion, sollte es eine "offizielle" Religion geben...
Daher kam ich nicht zum Lernen ;)
Am Abend dann Chor, Generalprobe. Wir können nichts. Außerdem hab ich spontan die Stimme wechseln dürfen, weil wir sonst nur eine Person im Sopran 2 haben. Nun gut... Kleinigkeiten...

Freitag 30.1.09

Keine Lust auf Vorlesung. Keine Lust auf Lernen, aber das kann ich nicht einfach so verschlafen.
Am Abend waren wir dann mit den Erasmus-Leuten zum Abschied libanesisch essen. Es war sehr lecker und sehr eng (statt der 20 Leute, die sich gemeldet hatten, kamen 35). Es gab eine Bauchtänzerin und danach war es für Mexikaner und Inder unglaublich lustig Leute zu zwingen mit so einem Tuch zwischen den Tischen zu tanzen. Ungefähr 2 Stunden versuchten sie das mit jedem Anwesenden. Bis ich einen von ihnen fragte ob wir jetzt mal Ruhe haben könnten, weil das Essen kam. Damit war das Spiel beendet.
Ich hab wohl doch was von Lehrerin...
Ich war gegen 3 daheim nach einem sehr schönen Abend.

Samstag 31.1.09

Konzert in der Kirche "Iglesia de Nuestra SeƱora de las Maravillas y de los Santos Justo y Pastor" (die heißt wirklich so) wegen ihrem Gemeindefest. Es war diesmal etwas wärmer. Und wir schafften alles einigermaßen gut - bis auf die Zugabe, da versagten wir komplett. Naja, so wollten sie wenigstens keine zweite Zugabe.
Danach waren wir noch was essen. Und wie immer... jemand hatte eine Idee. Da war voll. Dann wollte jemand unbedingt heiße Schokolade, jemand anderes aber essen... wir liefen ca. 1 Stunde um den Block bis wir schließ was für alle akzeptables fanden (rauchfrei!). Dort war es aber sehr lecker und wir hatten in jedem Fall viel Spass.
Ich war wieder so gegen 3 daheim... es leben die Nachtbusse!